
- Dozent/in: Gregor Gall






Die Weltordnung ist von enormen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten geprägt. Schätzungen zufolge besitzt die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung ein bis zwei Prozent des globalen Vermögens – und die reichsten 1,5 Prozent knapp die Hälfte. Das hat erhebliche politische und gesellschaftliche Auswirkungen: Wer arm ist, hat sehr wenige Möglichkeiten, an politischen Entscheidungen mitzuwirken und sich persönlich zu entfalten; für Reiche gilt das Gegenteil. Im Seminar gehen wir der Frage nach, wie es zu dieser Spaltung kommt. Wir nehmen dabei die gesellschaftliche Organisation von Arbeit im Kapitalismus in den Blick. Es zeigt sich, dass diese Herrschaftsverhältnisse hervorbringt, insbesondere Klassenherrschaft, Patriachat und Rassismus – und dass gesellschaftliche Herrschaft sich in sozialen Ungleichheiten ausdrückt. Wir diskutieren also den Zusammenhang von Arbeit, gesellschaftlicher Herrschaft und sozialer Ungleichheit – und was daraus für die Praxis der sozialen Arbeit folgt.
Die
Vereinigten Staaten sind eine zutiefst gespaltene, von großer sozialer
Ungleichheit geprägte Gesellschaft. Unter der Präsidentschaft Donald Trumps
spitzt sich die Situation zu. Das Trump-Regime baut die politische Ordnung nach
autoritären Maßgaben um, untergräbt rechtsstaatliche Garantien und attackiert
migrantische Communities. Es hat die gewerkschaftliche Betätigung in großen
Teilen des öffentlichen Dienstes auf Bundesebene verboten und untergräbt das
staatliche Krankenversicherungsprogramm Medicaid. Es zerstört Organisationen,
Institutionen und Regularien, welche der rücksichtslosen Durchsetzung von
Geschäftsinteressen im Wege stehen, und es führt völkerrechtswidrige Kriege.
Gleichzeitig sind viele Wähler:innen Trumps Arbeiter:innen und Arme. Warum
unterstützen ihn Teile der Bevölkerung, die von seiner Politik negativ
betroffen sind? Was versprechen sie sich von einer Politik, die gegen ihre
materiellen Interessen gerichtet ist? Die Soziologin Arlie Russell Hochschild
befasst sich seit etwa zwanzig Jahren mit der Frage, warum die Unterstützung
für rechtsautoritäre Politik unter der armen, weißen Landbevölkerung in den
Vereinigten Staaten stark ist. Im Seminar lesen wir Hochschilds neuestes Buch, Geraubter
Stolz: Verlust, Scham und der Aufstieg der Rechten, das 2025 auf Deutsch
erschienen ist. Außerdem diskutieren wir, was sich gerade in den Vereinigten
Staaten ereignet, worin Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Deutschland bestehen
– und was die Rechtsverschiebung der Politik für die Praxis der sozialen Arbeit
bedeutet.