Die
Vereinigten Staaten sind eine zutiefst gespaltene, von großer sozialer
Ungleichheit geprägte Gesellschaft. Unter der Präsidentschaft Donald Trumps
spitzt sich die Situation zu. Das Trump-Regime baut die politische Ordnung nach
autoritären Maßgaben um, untergräbt rechtsstaatliche Garantien und attackiert
migrantische Communities. Es hat die gewerkschaftliche Betätigung in großen
Teilen des öffentlichen Dienstes auf Bundesebene verboten und untergräbt das
staatliche Krankenversicherungsprogramm Medicaid. Es zerstört Organisationen,
Institutionen und Regularien, welche der rücksichtslosen Durchsetzung von
Geschäftsinteressen im Wege stehen, und es führt völkerrechtswidrige Kriege.
Gleichzeitig sind viele Wähler:innen Trumps Arbeiter:innen und Arme. Warum
unterstützen ihn Teile der Bevölkerung, die von seiner Politik negativ
betroffen sind? Was versprechen sie sich von einer Politik, die gegen ihre
materiellen Interessen gerichtet ist? Die Soziologin Arlie Russell Hochschild
befasst sich seit etwa zwanzig Jahren mit der Frage, warum die Unterstützung
für rechtsautoritäre Politik unter der armen, weißen Landbevölkerung in den
Vereinigten Staaten stark ist. Im Seminar lesen wir Hochschilds neuestes Buch, Geraubter
Stolz: Verlust, Scham und der Aufstieg der Rechten, das 2025 auf Deutsch
erschienen ist. Außerdem diskutieren wir, was sich gerade in den Vereinigten
Staaten ereignet, worin Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Deutschland bestehen
– und was die Rechtsverschiebung der Politik für die Praxis der sozialen Arbeit
bedeutet.
- Dozent/in: Alexander Gallas