
In der Soziologie wird unter dem Begriff der Sozialstrukturanalyse nach einem inneren Aufbau des Sozialen gefragt. Das Soziale kann dann als Gemeinschaft beschrieben werden, es kann sein, dass festgestellt wird, dass solche sich zugleich auch als Gesellschaften beschreiben lassen. Gesellschaften können weiterhin auf Klassen oder Schichten als Elemente ihres inneren Aufbaus untersucht werden, während andere Untersuchungen Milieus entdecken oder ganz andere Formen einer Differenzierung beobachten, die von historisch-dynamischen Entwicklungen der Arbeitsteilung ihren Ausgangspunkt nehmen. In sozialen Zusammenhängen wird produziert, Produziertes wird (beispielsweise als Eigentum zugerechnet) verteilt und getauscht - und muss konsumiert werden, wenn produziert werden können soll. Die Sozialstrukturanalyse fragt folglich auch nach dem unterschiedlichen Einfluss, den die Aufbauelemente des Sozialen aus ihrer Stellung in den jeweiligen historischen Formen dieser Reproduktion des sozialen Lebens gewinnen. Es zeigen sich dann privilegierte und de-privilegierte Gruppen und es stellen sich Fragen nach kollektiven Dynamiken des Ausschlusses oder der Prekarisierung von Möglichkeiten oder fundamentalen Gewissheiten und den Erfahrungen und Aktivitäten, die Menschen in solchen Situationen hervorbringen.
Wo immer der Soziale Wandel unter solchen Bedingungen demokratisch beeinflusst und gestaltet werden können soll, dürfen die Ergebnisse solcher Verteilungsweisen von Produktions- und Handelsergebnissen aus sozialstrukturanalytischer Sicht ein gewisses Maß an Ungleichheit nicht überschreiten. Historisch hat sich deshalb überall dort, wo Produktion und Handel in kapitalistischer Weise geprägt ist, auch ein Sozialstaat ausgebildet, der je nach nationalem Entwicklungspfad auf die demokratiegefährdende Anspannung gleicher Rechte bei ungleicher Ressourcenausstattung mit solidarischen Institutionalisierungen reagiert. Was unter den Lebensrisiken als soziales Problem identifiziert ist, kann zum Gegenstand sozialer Rechte und sozialpolitischer Interventionen werden.
Im Seminar wollen wir solchen Zusammenhängen von Sozialstruktur und Dynamiken der Ausschließung, bzw. der der Prekarisierung mit der Frage nachgehen, wie sozialstaatliche Umgangsweisen mit diesen Risiken demgegenüber demokratische Gleichheitsvoraussetzungen wahren können und welche Rolle die sozialstaatlichen Organisationsformen zur Ermöglichung Sozialer Arbeit dabei annehmen.
- Dozent/in: Winfried Köppler